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Fangschreckenkrebse sind sehr interessante und intelligente Tiere, benötigen aber unbedingt ein
Artaquarium. Sie sind sehr räuberisch und daher für eventuelle Gesellschaft tödlich (auch wenn österreichische Vogelkundlerinnen mit monetärem Namen etwas anderes behaupten und schon
mal -große- Fangschrecken im Gemeinschaftsaquarium halten - sich dann aber darüber wundern, daß Fische abhanden kommen... :) ) Sie sind territorial und bewohnen meist über lange Zeit den
selben Stein. Daher brauchen sie nicht sehr viel Platz und sind recht anspruchslos. Sie fressen alles mögliche tierische Futter - totes und lebendes - wie Krill, Mysis, Garnelen, Stintstücke,
Turmdeckelschnecken von geplagten Süßwasseraquarianern, Muscheln etc.
Es macht sehr viel Spaß, Fangschreckenkrebse und ihre Verhaltensweisen im Aquarium zu
beobachten. Es lohnt sich in jedem Fall, für sie ein Extrabecken aufzustellen. Sie sind - nach der Eingewöhnung - nur selten scheu, zeigen sich viel außerhalb ihrer Höhle und nehmen mit ihren
hochentwickelten, einzelbeweglichen Augen alles zur Kenntnis, was um sie herum passiert. Kommt man ihrem Revier, also dem Aquarium, zu nahe und ist ihnen dies nicht recht, dann “sagen” sie es
einem, indem sie mal kräftig gegen die Scheibe schlagen. Dabei ist bei uns noch keine Scheibe zu Bruch gegangen.
Wenn es Zeit ist, sich zu häuten, verschließen Fangschrecken ihre Höhle. Sie sind dann einige Tage
nicht zu sehen und fressen in dieser Zeit auch nicht. Manchmal nehmen sie auch schon einige Tage vorher kein Futter mehr an. Auch bei anderen Krebsen und Krabben konnten wir dieses Verhalten beobachten.
Arten und Unterscheidung
Man unterscheidet zwei Untergruppen von Fangschrecken, die Hauer (oder Schmetterer) und die Stecher (oder Harpunierer). Bei ersteren sind die Schlagbeine zu hammerartigen Schlegeln
verfestigt, ideal zum Auf- und Zerschlagen der Beute und zur Feindabwehr. Bei den Stechern sind die Schlagbeine zu effektiven, mit Widerhaken versehenen Speeren entwickelt, ideal zum
Harpunieren von Fischen und größeren Garnelen. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Form der Komplexaugen: die der Schmetterer sind rundlich-kugelförmig, während die der Speerer
mehr bohnenförmig-länglich sind.
Die Hauer/Schmetterer sind die häufigsten Fangschrecken im Aquarium und in erster Linie in
Lebendgestein zu finden. Sie werden, als Bewohner schützender Steinburgen, zumeist nicht sehr groß (so um die 7 bis 9cm). Einer der größten ist mit max. ca. 20cm Odontodactylus scyllarus, der
allerdings nicht in Lebendgestein zu finden ist, aber zuweilen importiert wird.
Alle Fangschrecken sind kleine Freßsäcke und stellen zumindest für kleinere Fische eine
Gefahrenquelle dar. Größere Fische können immerhin so genervt oder erschreckt werden, daß sie einen Aufenthalt außerhalb des Aquariums bevorzugen und dieses per Sprung verlassen.
Für Garnelen, vor allem aber für Einsiedler und Schnecken sowie kleinere Röhrenwürmer und
Muscheln ist eine (Hauer-) Fangschrecke tödlich. Die klopft er halt auf und frißt den Inhalt der Verpackung. Man sollte deshalb Fangschrecken nicht einfach im Aquarium belassen, sondern sie herausfangen.
vermutlich Odontodactylus cultrifer
Odontodactylus scyllarus (Foto: T. Kraatz)
Die Stecher/Harpunierer hingegen werden als Fischjäger und Bewohner offener Sandflächen oder
Geröllgründe sehr groß (bis zu 40cm, Lysiosquilla maculata). Sie bauen sich tiefe, senkrechte Wohnröhren in den Sand und sind wahre Baggerkünstler. Sie sind, da sie nicht im Lebendgestein
anzutreffen sind und man sie gezielt einführen muß, eher selten im Handel anzutreffen.
Lysiosquilla maculata
Haltung und Pflege
Man sollte nur Einzeltiere halten, denn Fangschreckenkrebse sind auch untereinander nicht gut
verträglich. Zwar kann man mehrere kleine Tiere in einem großen Aquarium zusammenhalten, ohne daß sich die Tiere sofort umbringen. Auf die Dauer geht so etwas allerdings nicht gut. Der
unterlegene Nachbar wird über kurz oder lang zur Mahlzeit des stärkeren Tieres.
Auch eine paarweise Haltung ist nicht angebracht, da sich Fangschrecken nur während der
Paarungszeit zusammenfinden und dulden - davor und danach leider nicht. Dies ist auch üblicherweise im Meer so. Nach der Paarung gehen die Tiere wieder getrennte Wege. Die Eier
werden vom Weibchen bewacht und nicht - wie sonst bei Krebsen und Garnelen üblich - zwischen den Schwimmbeinen unterm Schwanz getragen. Vielmehr werden die Eier als Klumpen mit den
Schlegeln vor dem Körper getragen. Die Larven sind recht groß, pelagisch und zeigen bereits die typischen großen Stielaugen sowie die Schlegel. Ich hatte vor Jahren einmal das Glück, daß einige
Larven in einem kleinen Aquarium schlüpften. Eine Aufzucht der Larven gelang mir damals jedoch nicht.
Aquarium und Technik
Von der Technik her sind Fangschreckenbecken simpel:
Für ein kleines Tier reicht bereits ein 25-Liter-Aquarium, bestückt mit einer kleinen Umwälzpumpe
(ca. 200-300 Liter/h), einem kleinen Regelheizer und einer 9Watt- Leuchtstoffröhre (kaltweiß) als Beleuchtung. Als Dekoration finden ein etwas höher geschichteter Bodengrund (zum Graben und
Bauen), ein größerer poröser Lebender Stein (Mikrofauna und -flora, Burg und Bergwerk) sowie höhere Algen Verwendung. Bewährt hat sich Caulerpa taxifolia - wüchsig, robust und Nitrat
-/Phosphat- reduzierend. Zusätzlich geeignet sind Weich-, Leder- und Steinkorallen.
Zur Haltung mehrerer kleiner Fangschrecken (bis ca. 9cm Länge) hat sich folgender Aufbau
bewährt: ein 50-Liter-Becken (80x25x25cm), mittels (gelöcherten) Acrylglasscheiben in 4 Abteile unterteilt, in einer Kammer einen kleinen Regelheizer sowie eine Pumpe. Die kleine
Strömungspumpe pumpt mittels Rohr das Wasser in die entfernteste Kammer und sorgt so für eine gleichmäßige Wasserumwälzung und Temperatur in allen Abschnitten. In jeder Kammer lebt
dann ein kleiner Fangschreckenkrebs. In allen Abteilen finden sich verschiedene Caulerpaarten, Kies und Lebendgestein wie oben schon beschrieben.
Während man für kleine Tiere noch geringe Glasstärken verwenden kann (4mm), sollte man bei
großen Tieren (z. B. Odontodactylus scyllarus) mit entsprechender Schlagkraft rechnen und die Glasscheiben demzufolge dicker wählen. Das Märchen allerdings, auch kleine Fangschrecken
könnten Aquariumscheiben zertrümmern, scheint nicht wahr zu sein. Sollte jemand von Ihnen andere (eigene) Erfahrungen haben, möge er sich bitte bei uns melden. Selbst ein großer Odontodactylus scyllarus hat dies bei einer 6mm-Scheibe eines Standard-80cm-Aquariums und
mehrfachen “Hau-Drauf”-Versuchen nicht geschafft. Sicherheitshalber haben wir ihn aber dennoch in ein Spezialaquarium mit 8mm Glasstärke gesetzt. Man muß ja auch nichts riskieren.
Lysiosquilla maculata kann sehr groß werden (bis 40cm) und benötigt dementsprechend auch ein
größeres Aquarium.
Vorsicht im Umgang mit Fangschrecken Alle Fangschrecken können ihren Pfleger verletzen, wenn dieser unachtsam ins Aquarium greift. Stecher sind sehr schnell und hätten kein Problem, den Finger des Pflegers einfach aufzuspießen.
Das kann beträchtliche Wunden nach sich ziehen. Hauer hingegen haben sehr viel Kraft in ihren Schlegeln - auch die kleineren Arten, wie ich aus leidvoller Erfahrung weiß :)
Vergesellschaftung
Zur Vergesellschaftung mit Hauern sind folgende Tiere, weil potentielles Futter, nicht geeignet:
Garnelen, Fische, Seeigel, See- und Schlangensterne, Schnecken, Einsiedlerkrebse, andere Krebse, Muscheln, Röhrenwürmer etc. Auch Anemonen sind nicht empfehlenswert, da der
Fangschreckenkrebs im Falle eines Erschreckens oder ähnlichem dort hineinschnellen und sich vernesseln bzw. sogar gefressen werden könnte.
Seit einigen Jahren halten wir eine sehr kleine Fangschrecke (ca. 5cm) mit Namen FLIPS in einem
Gesellschaftsaquarium. Flips ist außergewöhnlich standorttreu und räubert, aufgrund reichlicher Fütterung unsererseits, nichts in diesem Aquarium. Allerdings halten wir dort hauptsächlich für ihn
zu große Tiere, wie z. B. Anemonenfische, Pfeilschwanzkrebse, gelegentlich Rotfeuerfische oder größere Symbiose-Grundeln mit Krebs. Das alles natürlich nicht zusammen, sondern nacheinander
;) Es handelt sich eben um ein Verkaufsaquarium, in dem der Besatz sich immer mal wieder ändert. Aber Flips sitzt immer in seinem Stein und beobachtet seine Umwelt. Man kann ins Aquarium
fassen, ohne attackiert zu werden, er kennt uns und wir kennen ihn... Diese Fangschrecke ist eine Ausnahme, zur Nachahmung nicht empfohlen ;))
Stecher hingegen vertragen sich gut mit Seesternen und Schnecken. Ansonsten sollte man obige
aufgeführte Tiere auch nicht mit ihnen vergesellschaften.
Eingeschleppte Fangschrecken einfangen
Folgende Fangmethoden habe ich schon selbst mit Erfolg ausprobiert:
1. Methode
Falls der Wohnstein des Krebses noch aus dem Aquarium entnehmbar ist: Stein rausnehmen und gucken, ob die Wohnröhre des Krebses einen Hinterausgang hat (häufig der Fall, ist allerdings
zuweilen durch den kleinen Kerl zugemauert). Ist das der Fall, vorsichtig einen Draht oder Schlauch oder Kabelbinder in den Hinterausgang stecken und den Krebs vorsichtig durch die Vordertür
rausdrücken/rausärgern. Am besten über einer großen Schüssel, zuweilen erfolgt der Ausstieg per Hechtsprung. Falls das mit dem Draht nicht klappt, vorsichtig etwas Süßwasser per
Schlauch/Pipette/Spritze in den Stein laufen lassen. Das finden viele Fangschrecken auch nicht komisch und springen raus (also Schüssel nicht vergessen!). Das wenige Süßwasser schädigt
übrigens auch den Lebenden Stein nicht.
2.Methode
Falls der Stein nicht mehr entnehmbar sein sollte, kann man die Fangschrecke an die Fütterung per Pipette oder Pinzette gewöhnen. Das gelingt für gewöhnlich recht schnell, da die Kerlchen nicht
doof sind und es recht schnell raffen, wo´s günstig erreichbares Futter gibt. Wenn der Krebs an die Pipette/Pinzette gewöhnt ist, immer weiter entfernt von der Wohnröhre füttern - meistens fliegt er
das Gerät bald selbständig an. Wenn das per Training erreicht ist: vor der Fütterung vorsichtig einen Kescher ins Aquarium bringen, Krebs via Pipette über den Kescher lotsen (sind meist so
futtergierig, daß sie etwas unaufmerksam werden) und den Kescher mit Krebs anheben. Klappt auch - anders als bei Fischen - nach mehreren Fehlversuchen - so doll ist halt das
Kurzzeitgedächtnis von den Jungs auch nicht.
3. Methode
Etwas trivial: Sollte der Lebende Stein entnehmbar und klein sein, Stein mit Krebs rausnehmen und in ein Extraaquarium verfrachten, wie oben beschrieben :).
interessante Links zum Thema:
Die Seite von Timmy Grohrock, der sich auch schon an der Nachzucht dieser faszinierenden Tiere
versucht hat: http://www.fangschreckenkrebse.de/
Die Seite vom wohl bekanntesten Fangschreckenhalter: Roy Caldwell (englisch)
Eine hübsche Bildergallerie finden Sie hier: http://www.solvinzankl.com/html/english/galerie/mantis/index.htm
Auf den Seiten finden sich auch noch weitere interessante Links, die wir hier nicht alle wiederholen
möchten.
Noch mehr Infos? Neugierig geworden? Falls Sie sich mal Fangschrecken im Aquarium anschauen möchten bzw.
weitere Informationen wünschen, können Sie uns gern besuchen oder anderweitig kontaktieren. Bei uns finden Sie so gut wie immer irgendwelche Fangschrecken- und andere Krebse. Schauen Sie bitte hier, wie Sie uns erreichen können!
Bericht vom 17.06.2007, Autor: Dirk Haase
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